Traveller-Cheques -
Abenteuer bei der Bank du Mahgreb in Fes
Die erste Bank, die wir in Fes aufsuchten winkte ab: nee, keine
Traveller-Cheques. Man schickte uns zur Bank du Mahgreb. Untergebracht
in einem renovierten Stadtpalais machte die Bank zunächst auch einen
guten Eindruck. Ein Schild „Change“ lotste uns zum richtigen Schalter,
hinter der eine Frau mittleren Alters mit Brille ihren Dienst
verrichtete. Ich sagte freundlich „Guten Tag“ und fragte, ob sie
Traveller-Cheques wechseln würde. Ich zeigte ihr dabei den Umschlag mit
den Cheques, damit sie erkennen konnte, dass es sich um Thomas Cook
Traveller-Cheques handelte. Auf meinen Touren habe ich die Erfahrung
gemacht, dass Banken häufiger entweder nur Thomas Cook oder American
Express, aber nicht beide akzeptieren. Wieso, weiß der Geier. Also,
wollte ich ihr die Cheques zeigen und sofort für Klarheit sorgen.
Mit einem kritischen Blick nahm sie die Cheques an sich. Zunächst prüfte
sie die Cheques mit Brille, dann ohne, dann wieder mit, zwischendurch
murmelte sie etwas, das ich als „oui“ verstanden bzw. als solches
interpretiert hatte. Irgendetwas muss ihr aber wohl verdächtig
vorgekommen sein, denn sie blickte weiter mit einem recht ungläubigen
Blick die Cheques an. Nach einer Weile wollte sie dann auch meinen Pass
haben. Sagte sie zu mir, mit weiterhin gebanntem Starren auf die
Cheques. Jetzt widmete sie sich meinem Pass zu. Es folgte zunächst ein
intensiver Vergleich der Unterschriften: Blick in den Pass, Blick auf
die Cheques, wieder Blick auf den Pass, wieder auf die Cheques. Dieses
„Rollenspiel“ wiederholte sich einige Male. Dann fand wohl das Passfoto
ihre Aufmerksamkeit. Der prüfende Blick glitt vom Pass zu meiner
Wenigkeit, wieder zum Pass, wieder zurück, …
Ich fragte mich, was an meinen Cheques so verdächtig war. Nun, Zeit zum
Überlegen hatte ich genug, da sich das „Schauspiel“ nun schon einige
Zeit hinzog. Ich überlegte, was mir beim Chequetausch sonst schon so
skuriles in der Welt passiert ist. Wo hatte ich eigentlich die
Kaufquittung? – Ach ja, im Rucksack im Hotel – man soll die Sachen ja
auch getrennt voneinander aufbewahren. Na hoffentlich will sie die jetzt
nicht noch sehen! Und das Foto? Nun, ok, ist jetzt auch schon knapp 20
Jahre alt, aber im Grunde sollte man mich schon noch erkennen. Und wie
ich so vor dem Schalter stand und mich fragte, ob sie keine Listen mit
„heißen“ Seriennummern haben (werden in einer Reihe von Ländern
genutzt), forderte sie mich auf, die Cheques zu unterschreiben.
Oh, dachte ich, es geht also doch? Nun, dachte ich weiter, jetzt keinen
dummen Kommentar abgeben, sonst wird es nix mehr mit tauschen. Also habe
ich brav die Klappe gehalten und die Cheques unterschrieben und dachte,
damit sei die Sache gegessen. Nee, so einfach ist es nun auch wieder
nicht, das Spiel ging weiter. Die geleistete Unterschrift wurde nun
einer genauen und zeitintensiven Untersuchung unterzogen. Die Frage
stand der guten Frau direkt im Gesicht geschrieben: sind die
Unterschriften auf den Cheques übereinstimmend mit denen, die beim Kauf
in Deutschland geleistet wurden? Offensichtlich fand sie das nicht, oder
sie brauchte einen längeren Moment, um das zu erkennen. Nichts desto
trotz, offensichtlich war sie mit mir, meinen Cheques, dem Passfoto, den
Unterschriften, Gott und der Welt und was weiß ich noch nicht zufrieden.
Sie erhob sich von ihrem Stuhl und ging zu einem Büro rüber, in dem sie
verschwand. Na gut, sie wird sich vom Abteilungsleiter den Vorgang
absegnen lassen wollen. Nach einigen Momenten kam sie wieder heraus, kam
aber nicht zu mir, sondern ging zu einem anderen Kollegen rüber und
zeigte ihm die Cheques. Dieser betrachtete sie nun auch noch, befand
aber schon nach kurzer Zeit, dass sie wohl ok wären. Er drückte sie ihr
wieder in die Hand worauf sie zurückkam und damit begann ein Formular
auszufüllen.
Na also, geht doch. Zumindest wertete ich das Ausfüllen des Formulars
als Fortschritt zum Einwechseln meiner Cheques. Schließlich forderte sie
mich auf, das Formular zu unterschreiben. Oh Gott, zuckte es mir durch
den Kopf, nicht schon wieder vergleichen! Nicht ohne den Betrag auf dem
Formular geprüft zu haben, tat ich was sie verlangte, worauf sie mir
eine Marke mit einer Nummer aushändigte und sagte, dass ich zum Schalter
zwei rüber sollte. Mit einer kurzen Kopfbewegung deutete sie mir an, wo
sich die Zahlstelle befindet und reichte das Formular samt Cheques zur
Hinterseite des Schalters durch. Mit einem etwas ungläubigen Gesicht
angesichts des Prozederes und der Vermutung, dass dies jetzt doch
eventuell, vielleicht, unter Umständen alles war, ging ich die paar
Meter zur Kasse rüber, wo ein Mitarbeiter der Bank nochmals ein paar
Stempel auf das Formular drückte, mir aber anschließend die Summe
auszahlte. Dummerweise waren wir allerdings zu zweit und Marcus musste
auch noch zwei Cheques wechseln. Während ich also auf die Auszahlung
gewartete, ging am Wechselschalter das Prozedere noch einmal los –
allerdings mit einem kleinen Unterschied: Marcus musste vor der
Unterzeichnung der Cheques erst mal eine „Probeunterschrift“ auf einem
Blatt Papier leisten, die dann sorgsam zusammen mit einem Kollegen und
mit einem kritischen Blick ausgiebig begutachtet wurde…
Fazit: wer es eiliger hat, sollte Cheques bei einer der französischen
Banken wechseln, die es in jedem größeren Ort gibt. Die nehmen zwar eine
Kommission (12 Dh [gut ein Euro] bei zwei Cheques a 100 Euro), dafür
kann man aber damit rechnen, dass nach nur 2 Minuten alles „gegessen“
ist. Wer Zeit hat (knapp eine Stunde!) und etwas erleben möchte, dem
empfehle ich die Mahgreb-Bank in Fes.
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