Marokko - Tour Oktober 2003
 
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Traveller-Cheques - Abenteuer bei der Bank du Mahgreb in Fes

Die erste Bank, die wir in Fes aufsuchten winkte ab: nee, keine Traveller-Cheques. Man schickte uns zur Bank du Mahgreb. Untergebracht in einem renovierten Stadtpalais machte die Bank zunächst auch einen guten Eindruck. Ein Schild „Change“ lotste uns zum richtigen Schalter, hinter der eine Frau mittleren Alters mit Brille ihren Dienst verrichtete. Ich sagte freundlich „Guten Tag“ und fragte, ob sie Traveller-Cheques wechseln würde. Ich zeigte ihr dabei den Umschlag mit den Cheques, damit sie erkennen konnte, dass es sich um Thomas Cook Traveller-Cheques handelte. Auf meinen Touren habe ich die Erfahrung gemacht, dass Banken häufiger entweder nur Thomas Cook oder American Express, aber nicht beide akzeptieren. Wieso, weiß der Geier. Also, wollte ich ihr die Cheques zeigen und sofort für Klarheit sorgen.

Mit einem kritischen Blick nahm sie die Cheques an sich. Zunächst prüfte sie die Cheques mit Brille, dann ohne, dann wieder mit, zwischendurch murmelte sie etwas, das ich als „oui“ verstanden bzw. als solches interpretiert hatte. Irgendetwas muss ihr aber wohl verdächtig vorgekommen sein, denn sie blickte weiter mit einem recht ungläubigen Blick die Cheques an. Nach einer Weile wollte sie dann auch meinen Pass haben. Sagte sie zu mir, mit weiterhin gebanntem Starren auf die Cheques. Jetzt widmete sie sich meinem Pass zu. Es folgte zunächst ein intensiver Vergleich der Unterschriften: Blick in den Pass, Blick auf die Cheques, wieder Blick auf den Pass, wieder auf die Cheques. Dieses „Rollenspiel“ wiederholte sich einige Male. Dann fand wohl das Passfoto ihre Aufmerksamkeit. Der prüfende Blick glitt vom Pass zu meiner Wenigkeit, wieder zum Pass, wieder zurück, …

Ich fragte mich, was an meinen Cheques so verdächtig war. Nun, Zeit zum Überlegen hatte ich genug, da sich das „Schauspiel“ nun schon einige Zeit hinzog. Ich überlegte, was mir beim Chequetausch sonst schon so skuriles in der Welt passiert ist. Wo hatte ich eigentlich die Kaufquittung? – Ach ja, im Rucksack im Hotel – man soll die Sachen ja auch getrennt voneinander aufbewahren. Na hoffentlich will sie die jetzt nicht noch sehen! Und das Foto? Nun, ok, ist jetzt auch schon knapp 20 Jahre alt, aber im Grunde sollte man mich schon noch erkennen. Und wie ich so vor dem Schalter stand und mich fragte, ob sie keine Listen mit „heißen“ Seriennummern haben (werden in einer Reihe von Ländern genutzt), forderte sie mich auf, die Cheques zu unterschreiben.

Oh, dachte ich, es geht also doch? Nun, dachte ich weiter, jetzt keinen dummen Kommentar abgeben, sonst wird es nix mehr mit tauschen. Also habe ich brav die Klappe gehalten und die Cheques unterschrieben und dachte, damit sei die Sache gegessen. Nee, so einfach ist es nun auch wieder nicht, das Spiel ging weiter. Die geleistete Unterschrift wurde nun einer genauen und zeitintensiven Untersuchung unterzogen. Die Frage stand der guten Frau direkt im Gesicht geschrieben: sind die Unterschriften auf den Cheques übereinstimmend mit denen, die beim Kauf in Deutschland geleistet wurden? Offensichtlich fand sie das nicht, oder sie brauchte einen längeren Moment, um das zu erkennen. Nichts desto trotz, offensichtlich war sie mit mir, meinen Cheques, dem Passfoto, den Unterschriften, Gott und der Welt und was weiß ich noch nicht zufrieden. Sie erhob sich von ihrem Stuhl und ging zu einem Büro rüber, in dem sie verschwand. Na gut, sie wird sich vom Abteilungsleiter den Vorgang absegnen lassen wollen. Nach einigen Momenten kam sie wieder heraus, kam aber nicht zu mir, sondern ging zu einem anderen Kollegen rüber und zeigte ihm die Cheques. Dieser betrachtete sie nun auch noch, befand aber schon nach kurzer Zeit, dass sie wohl ok wären. Er drückte sie ihr wieder in die Hand worauf sie zurückkam und damit begann ein Formular auszufüllen.

Na also, geht doch. Zumindest wertete ich das Ausfüllen des Formulars als Fortschritt zum Einwechseln meiner Cheques. Schließlich forderte sie mich auf, das Formular zu unterschreiben. Oh Gott, zuckte es mir durch den Kopf, nicht schon wieder vergleichen! Nicht ohne den Betrag auf dem Formular geprüft zu haben, tat ich was sie verlangte, worauf sie mir eine Marke mit einer Nummer aushändigte und sagte, dass ich zum Schalter zwei rüber sollte. Mit einer kurzen Kopfbewegung deutete sie mir an, wo sich die Zahlstelle befindet und reichte das Formular samt Cheques zur Hinterseite des Schalters durch. Mit einem etwas ungläubigen Gesicht angesichts des Prozederes und der Vermutung, dass dies jetzt doch eventuell, vielleicht, unter Umständen alles war, ging ich die paar Meter zur Kasse rüber, wo ein Mitarbeiter der Bank nochmals ein paar Stempel auf das Formular drückte, mir aber anschließend die Summe auszahlte. Dummerweise waren wir allerdings zu zweit und Marcus musste auch noch zwei Cheques wechseln. Während ich also auf die Auszahlung gewartete, ging am Wechselschalter das Prozedere noch einmal los – allerdings mit einem kleinen Unterschied: Marcus musste vor der Unterzeichnung der Cheques erst mal eine „Probeunterschrift“ auf einem Blatt Papier leisten, die dann sorgsam zusammen mit einem Kollegen und mit einem kritischen Blick ausgiebig begutachtet wurde…

Fazit: wer es eiliger hat, sollte Cheques bei einer der französischen Banken wechseln, die es in jedem größeren Ort gibt. Die nehmen zwar eine Kommission (12 Dh [gut ein Euro] bei zwei Cheques a 100 Euro), dafür kann man aber damit rechnen, dass nach nur 2 Minuten alles „gegessen“ ist. Wer Zeit hat (knapp eine Stunde!) und etwas erleben möchte, dem empfehle ich die Mahgreb-Bank in Fes.