Rammadan – oder „wo bitte
geht´s nach McDonalds?“
Man hätte ja dran denken sollen – haben wir aber nicht: wir waren
bereits 6 Tage in Marokko und gerade unterwegs im Zug nach Fes. Auf dem
Gang nahm ich einen Schluck aus meiner Cola-Dose, während ein Marokkaner vorbei kam und
mich äußerst kritisch und mit einem deutlich missfallenden
Gesichtsausdruck ansah: „Don´t you know it´s Rammadan?“ fragte er mich.
Oh, Sch…, nee, wußte ich nicht!
Tja, es war Rammadan und das heißt, dass es tagsüber äußerst verpöhnt
ist, etwas zu trinken, etwas zu essen oder sich an sonstigen
„Genussmitteln“ zu erfreuen. Hierzu zählen auch Zigaretten, Kaffee, Tee,
etc..
In Agadir, der "Tourihochburg", ist Rammadan kein Problem, insbesondere
dann, wenn man bei Neckermann und Co. gebucht hat. Als Individualtourist
hat man es da schwerer. Das fängt schon beim Frühstück an: morgens haben
die Geschäfte alle geschlossen, da die Einheimischen noch vor
Sonnenaufgang aufstehen und etwas zu sich nehmen. Nach Sonnenaufgang ist
dann „Siesta“ angesagt. Die meisten Banken öffnen erst später (wenn
überhaupt), Einkaufsläden machten zumeist erst gegen (späten) Nachmittag
auf. Außerhalb Agadirs ist also kaum etwas zu bekommen. In den
„Billighotels“ sieht es mit Frühstück oftmals auch schlecht aus. Man
sollte sich also schon den Abend vorher „eindecken“, will man die
Fastenzeit nicht wörtlich nehmen.
Nachdem der Muezzin am Abend gerufen hat, sind die Straßen mit einem Mal
wie ausgestorben: alle sitzen zuhause und laben sich am Essen, auf das
man tagsüber verzichtet hat. Auch hier gilt wieder: die Geschäfte
haben dann bis ca. 19:30 - 20:00 Uhr zu. Dies gilt auch z.B. für
Internetcafes. Erst danach „erwacht“ das Leben wieder und die Tee- und
Kaffehäuser, Restaurants, etc. füllen sich mit Menschen. Eine Ausnahme
bilden die 24-Stunden Tankstellen: diese haben tatsächlich 24 Stunden
geöffnet, sowie McDonalds.
Unter den „Real-Travelfreaks“ ist McDonalds zwar beliebt wie Durchfall,
unter Pauschal-Touristen wie auch (betuchteren) Einheimischen erfreut
sich die Ladenkette aber allgemeiner Beliebtheit. Insbesondere in
Marrakech ist es der „Szenetreff“ der jüngeren und vermögenderen
Marokkaner. McDonalds sowie Pizza Hut sind auch zahlreich in Marokko
vertreten. Praktisch sind sie in jeder Großstadt mit Ausnahme von Fes
vorhanden. Sogar während des Rammadan sind sie tagsüber geöffnet (hat
uns zwar gewundert, aber ist so). Wer will kann sich also am
„berüchtigten“ Meal No 1 (BigMac mit großer Pommes und großer Coke zu 43
Dh, also gut 4 Euro) erfreuen oder ob des völligen Fehlens eines orientalischen „Flairs“
und/oder des Verfalls der Eßkultur
darüber ablästern.
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