Tunesien - Tour April/Mai 2004

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El Kef


El Kef ist eine vom Tourismus fast völlig "unbefleckte" Stadt. Dementsprechendes Aufsehen erregt man dort als Ausländer, zumal natürlich auch dann, wenn man mit einem Moped unterwegs ist. Nach einigem Suchen fanden wir schließlich das Residence Venus, in dem wir übernachten wollten. Die Mopeds konnten wir im Hof parken. Nach einer kurzen Siesta machten wir einen Marsch durch die Stadt, hoch zur Zitadelle. Oben angekommen achtete ein Wärter darauf, dass ich auch ja keine Videoaufnahmen machte (in der Zitadelle gibt es militärisch genutzte Antenne). Nun ja, so spektakulär war die Zitadelle nun auch nicht, als dass man sie unbedingt hätte filmen müssen. Durch die engen Gassen ging es dann wieder runter bis zur Hauptstraße, wo wir erstmal einen Kaffee einwarfen. Wir machten uns dann noch auf die Suche nach einem Restaurant, das wir abends hätten ansteuern können. Am Unabhängigkeitsplatz fanden wir zwar nichts, was irgendwie einladend ausgesehen hätte, dafür gab es dort aber ein Internetcafe. Bin aber nicht dazu gekommen, es auszuprobieren. Es war noch ein bischen früh für´s Abendessen und deshalb entschlossen wir uns, erstmal zum Hotel zurückzukehren. Dort angekommen trafen wir auf die beiden Hallenser, die wir schon auf der Fähre kennengelernt hatten. Wir saßen mit Ihnen zusammen im Hof und erzählten bei zwei Kaffee, was wir bisher erlebt hatten. Schließlich machten wir aus, dass wir auch gemeinsam abendessen könnten. Zu Fuß machten wir uns zum Restaurant Venus auf. Kaum reingekommen, kam man sich wie in einer "Räuberhöhle" vor. Das Restaurant hat eine Alkohollizenz und war gefüllt mit Einheimischen, die jeweils schon einige Kannen ausgetrunken zu haben schienen. Das Essen dort war jedoch recht gut und auch nicht zu teuer. Lediglich das Wasser in der Tischflasche war durch irgendwelche Schwebstoffe getrübt ...


Nach Bulla Regia sollte es am nächsten Morgen gehen. Die "unspektakuläre" Hauptstraße führte uns zunächst bis Jendouba und von dort aus die letzten Kilometer bis zur Ausgrabungsstätte. Tickets gibt's im Meseum gegenüber, die Eintrittspreise für Ausgrabungsstätten scheinen landesweit einheitlich zu sein: 2 TD pro Nase, 1 TD Fotoerlaubnis. Wir schauten uns in dem Gelände ausgiebig um und fanden mit Hilfe der Skizze im Reisehandbuch die Bodenmosaiken, die auf jeden Fall einen Besuch wert sind. Wir waren die einzigen Touris dort, wurden nur einmal kurz darauf angesprochen, ob wir nicht einen Führer wollten, und von daher genossen wir den Aufenthalt dort.


Wir fuhren zurück nach Jendouba und von dort aus Richtung Thibar. Unterwegs, wir hatten in Jendouba noch eingekauft, legten wir eine kleine Snackpause ein. Hinter Thibar wird das Fahren nochmal interessant. Kurz nach dem Bergrücken, den wir hochgefahren sind, tauchte auch schon das erste Hinweisschild nach Dougga auf, was wir uns als nächstes angucken wollten. Dougga, das archäologische Aushängeschild Tunesiens, ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Anlage ist äußerst weitläufig. Man sollte sich deshalb Zeit mitbringen. Es ist schon eine sehr beeindruckende Anlage. Zu unserer Verwunderung waren kaum Touris da. Nicht, dass ich sie vermißt hätte, ganz im Gegenteil, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass es nur ein Duzend Leute maximal waren. Leider war der Himmel bereits wieder wolkenverhangen, wodurch sich unsere "Fotografierwut" in Grenzen hielt. Nun ja, das Wetter kann man sich leider nicht aussuchen. Kurz vor 8 gab man uns dann zu verstehen, dass man die Anlage nun schließen wollte. Für uns wurde es auch Zeit wieder zu fahren, schließlich waren es noch rd. 60 Km, die wir wieder zurück nach El Kef fahren mußten. Da wir nach Möglichkeit noch im Hellen wieder dort ankommen wollten, legten wir auf der Rückfahrt die tunesische Straßenverkehrsordnung und deren Höchstgeschwindigkeitsbegrenzungen etwas großzügiger aus und hatten zudem das Glück, dass alle Streckenkontrolleure schon vor uns auf die Idee gekommen waren, Feierabend zu machen. So erreichten wir El Kef noch bevor es dunkel war.

 


Die Hallenser waren vom Hotelbesitzer zum Essen eingeladen worden, so mußten wir alleine lostigern. Das Restaurant Venus hatte allerdings ob des Geburtstages von Mohammed geschlossen (kein Scherz: es war wirklich Mohammeds Geburtstag). Auf der Suche nach einer Alternative gingen wir zunächst rüber zum Sicca Veneria. Die Tür des "Restaurants" war offen. Wir traten ein und waren erneut überrascht: es gab hier offensichtlich ebenfalls eine Alkohollizenz und der Saal war angefüllt mit Männern, die jeder mindestens 6 leere Bierflaschen vor sich stehen hatten. Mit anderen Worten: rd. 50 Männer föhnten dort nudeldick ihrem Laster! Ein Kellner erklärte uns dann, dass hier nicht das hoteleigene Restaurant war. Dies wäre im 2. Stock und er führte uns dorthin. In gediegener "Atmosphäre" und zu "etwas" erhöhten Preisen bekamen wir denn doch noch was zu beißen.

So, die Gegend um El Kef war damit für´s erste auch abgegrast, außerdem hatten wir für die nächsten zwei Tage auch eine Hotelreservierung in Tabarka. Über lastminute hatte ich bereits zuhause ein 4 Sterne Hotel für uns gebucht. Ich hatte vorausgesehen, dass die Tour recht anstrengend werden würde und wir uns über zwei Tage Entspannung am Meer bestimmt freuen würden. Also fuhren wir am nächsten Morgen los, Richtung Norden.

Das Wetter verschlechterte sich zusehends. Dicke dunkle Wolken kamen auf und es kühlte sich deutlich ab. In den Bergen vor Tabarka gab es dann vereinzelt auch die ersten Regentropfen, die kurvenreiche Fahrt machte aber zunächst noch Spaß. Bis mir in einer Rechtskurve das Hinterrad mit einem Mal wegschmierte, ich mit der Kiste zu Boden ging und quer über die Fahrbahn an das andere Ende der Straße rutschte. Tja, ich weiß noch, dass ich mich dabei unheimlich erschreckt hatte, ich hatte auch noch versucht, mein rechtes Bein unter der Kiste herauszuziehen, was mir jedoch nicht gelang und dass irgendwann dann auch noch der Sturzhelm an zu rütteln anfing. Bei letzterem war mir klar, dass nun auch mein Kopf "Bodenkontakt" hatte. Unfähig etwas tun zu können, blieb mir nur die Möglichkeit, zu schauen, wohin ich denn rutschte. Als ich auf der anderen Straßenseite zum Stillstand kam, überkam mich der Schreck noch einmal: um Gottes Willen, welche Knochen hast Du Dir jetzt alle gebrochen? Nachdem ich den rechten Fuss nun endlich unter dem Moped wegziehen konnte, überprüfte ich per Handgriffe meinen Körper. Ich konnte allerdings keine Stelle treffen, die weh getan hätte, mal abgesehen vom rechten Knöchel. Das der etwas abbekommen hatte, war mir sofort klar, als ich ihn unter dem Moped wegzog. Ich bin also vorsichtig aufgestanden, immer darauf achtend, ob sich nun irgendeine Stelle des Körpers "melden" würde. War aber nicht der Fall. Ein kritischer Blick runter zum Knöchel und mal ausprobiert, ob ich noch laufen konnte. Es ging, zwar mit Schmerzen, aber ich glaubte nicht, dass er gebrochen war. Ich dachte zumindest, dass ein gebrochener Knöchel wohl deutlich mehr Schmerzen verursachen würde, als es nun der Fall war.

Marcus hatte mit ein paar Einheimischen, die auch sofort angehalten hatten, als sie sahen, dass ich einen Unfall hatte, das Moped wieder hoch gehoben. Es schien so, als hätte ich nochmal Glück im Unglück gehabt. In dem Moment, wo ich über die Straße gerutscht war, gab es keinen Gegenverkehr. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn mirt ein Auto oder ein Lkw entgegengekommen wäre.

Der Schreck saß mir noch längere Zeit in den Gliedern. Erst nach zwei Zigaretten warf ich mal so langsam einen Blick rüber zum Moped. Das hatte den Sturz aber recht gut weggesteckt: die beiden Blinker waren abgefrochen, am Lenkerende und am Handprotektor gab es Schleifspuren, diese fanden sich auch an der Fußraste und am Schutzblech des Auspuffs. Das war´s dann aber auch. Zum Glück war die Kiste also noch fahrtüchtig geblieben.

Wir entschlossen uns nach weiteren 10 Minuten die Fahrt fortzusetzen. Ich merkte zwar, dass der Fuss angeschwollen war, fühlte mich aber soweit wieder fit, dass ich fahren konnte. Die Fahrt ging dann auch ganz gut und ich begann mich schon zu ärgern: wieso hast Du nicht daran gedacht, dass du keine Straßen- sondern grobstollige Geländereifen montiert hast, du Idiot! Und ich stellte während der weiteren Fahrt fest, dass es die letzte engere Kurve war, die wir vor Tabarka durchfahren sollten. Warum mußte ich mich auch ausgerechnet in der letzten Kurve zu weit nach innen legen? Und überhaupt: warum muß dir so ein dusseliger Anfängerfehler passieren??? Kurzum: auf den restlichen 30 Kilometern ging es mir schon wieder so gut, dass ich mich "tierisch" ärgern konnte.



 

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